I copied this Blog that Pethan (Peter) published yesterday in German about 1943 when he was eight years old!

1943 – Mein Jahr als Achtjähriger

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Mein Urenkel, Lucas, wurde in diesem Juli acht Jahre alt. Er ist ein stattlicher Bursche, der uns viel Freude bereitet. Er und sein Bruder wachsen in einer Zeit und in einem Land auf, dass nicht unterschiedlicher sein kann von der Zeit und Umgebung in der ich als Achtjähriger aufwuchs.

Lucas an einem Strand von NSW, Australien

Und als ich ihn während der Woche sah, machte ich mir Gedanken darüber wie es war als ich acht Jahre alt war.

Ich lebte damals in Berlin und der Krieg war allgegenwärtig. Die Zeitungen und die Wochenschauen berichteten ständig über das Geschehen an den Fronten. In den Nächten raubte die RAF uns mit ihren Luftangriffen um unseren Schlaf.

Ich laß damals täglich zwei Zeitungen. Morgens die Berliner Morgenpost und Nachmittags die BZ am Mittag. Letztere wurde im Februar eingestellt. Die Radio Nachrichten wurden vom Wehrmachtsbericht des OKW beherrscht. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, was es wohl in Friedenszeiten zu berichten gab. Wir hörten oder lasen nie einen Wetterbericht, denn das war ein Kriegsgeheimnis.

Wir Kinder wurden angehalten, Lumpen und Altpapier zu sammel um unsere Soldaten an den Fronten, überall in Europa, zu unterstützen. Dazu sangen wir: „Lumpen, Knochen, Eisen und Papier, ja, ja, ja das sammeln wir…“ . Hier muss ich ein Geständnis machen. Unter dem gesammelten Papier befanden sich viele Bücher. Wir, meine Schwestern und ich, schauten uns die Bücher genau an und so manche behielten wir zum Lesen. So wurde ich zum Wehrkaftzerzetzer ohne es zu ahnen.

Das Jahr fing für uns Deutsche mit der militärischen Katastrophe von Stalingrad an. Die sechste Armee hatte eine Stärke die größer war als die heutige gesamte Bundeswehr. 150,000 Soldaten „starben durch Kampfhandlungen, verhungerten oder erfroren. 108,000 gingen in die Gefangenschaft, Von ihnen kehrten nur 6,000 nach dem Krieg zurück (Wikipedia)“. Am 18. Februar ruft dann Joseph Goebbels im Sportpalast den „Totalen Krieg“ aus.

Mein Geburtstag fiel 1943 auf einen Sonntag, aber schon am Samstag davor lud mich meine Mutter ein, nach der Schule zu ihrer Arbeitsstelle, in der Hedemannstraße, zu kommen um mir ein Geburtstagsgeschenk abzuholen. Es war nicht ungewöhnlich das ich allein mit der U-Bahn zu ihr ins Büro fuhr. Bei ihr angekommen überraschte sie mich mit einem Modell eines Rennautos. Es war blau und etwa 30cm lang. Wie freute ich mich! Als der Zug auf der Rückfahrt ankam, öffnete ich die Wagentür schon vor dem Halt und sprang aus dem noch fahrenden Zug. Ich hatte das schon öfters getan aber diesmal hatte ich die Geschwindigkeit des Zuges unterschätzt. Ich fiel auf die  Platform und der Rennwagen befreite sich von meinem Griff und raste von mir fort. Er knallte mit voller Wucht an die erste Stufe der Treppe zum Ausgang. Außer ein paar Schrammen am Knie war mir nichts passiert. 

Die Verhältnismäßige Ruhe in 1942 ging dann mit der Verschärfung des Luftkrieges im Juli 1943 zu Ende. Zuerst kam es zu einem verheerenden Angriff auf Hamburg (24. und 25 Juli). Ich kann mich noch gut an die Bilder aus Hamburg erinnern. Es war grauenvoll.

Das ließ nichts Gutes ahnen. Die Evakuierung von Schulen mit Kindern und Lehrern wurde für Berlin angeordnet. Frauen die nicht arbeiteten sollten auch die Stadt verlassen.

Am 10. Juli landeten die ersten Truppen der westlichen Alliierten auf Sizilien. In der Wochenschau zeigten sie uns wie die Luftlandetruppen massenweise aus den Flugzeugen sprangen. Mein Vater, der bisher in Lodz war, wurde nach Italien versetzt und dort al LKW Fahrer eingesetzt.

Am 23. August wurden meine beiden Schwestern nach Ostpreußen verschickt. In der folgenden Nacht gab es den bisher schwersten Luftangriff.

Die Luftangriffe bestimmten den Rhythmus unseres Lebens. Kaum eine Nacht konnten wir durchschlafen. Am 22. November, am Abend bis in die Nacht, kam dann der schwerste Angriff. Meine Mutter war ins Theater gegangen. Meine Tante weigerte sich mit mir in den Keller zu gehen. Ich machte mir große Sorgen um meine Mutter. Die Bomben fielen ohne Unterbrechung. Bevor sie explodierten konnte man das Heulen hören, dann Stille und dann ein gewaltiger Knall. Die Erschütterungen ließen das ganze Haus wackeln. Das elektrische Licht flackerte, aber es hielt. Später hörten wir, dass der Zoo schwer getroffen wurde und das viele Tiere, soweit sie nicht getötet wurden, entkommen waren. Es war genau die Gegend wo meine Mutter war. Auch sie überlebte. Ein neues Wort wurde 1943 geprägt, „Heimatfront“. So fühlte es sich auch an. Uns allen war klar, jeder Tag konnte der letzte Tag unseres Lebens sein. Nach den Angriffen brannte es überall in der Stadt und der Himmel färbte sich blutrot.B 17 over Berlin 1945

Eine amerikanische B 17, Super Festung über unserer Wohngegend. An der Spitze des linken Tragflügels ist der Südstern zu erkennen.

Etwa zwei Wochen später kam mein Vater plötzlich auf Heimaturlaub. Am Abend zuvor schickte mich meine Mutter zum Gemüseladen um Senf für ihn zu kaufen. Ich rannte vor Freude und Erwartung und stolperte dann an der Eingangsstufe zum Geschäft und fiel zu Boden. Das leere Glas, das ich trug, zerschellte und ein Splitter durchschnitt eine Ader an meinem rechten Handgelenk. Es blutete sehr, es war aber nicht die Pulsader. Meine Mutter brachte mich sofort zu unserem Hausarzt der dann die Wunde nähte. Am nächsten Tag konnte ich dann den Verband stolz meinem Vater zeigen. 

Er blieb nicht lange da meine Eltern zu Weihnachten nach Ostpreußen fuhren um dort meine Schwestern zu besuchen. Am Heiligen Abend blieb ich bei meiner Tante die in der Wohnung über uns wohnte. Es war ein sehr einsamer Heilig Abend, kein gemütliches Beisammensein mit der Familie und auch kein Weihnachtsbaum. Es war schon spät als die Tante mich dann in unsere Wohnung brachte und siehe da, in der Stube auf dem Tisch  standen etwa ein Dutzend Spielzeugsoldaten in der Uniform aus den Zeiten Friedrich des Großen. Der Weihnachtsmann hatte mich also nicht vergessen.

Noch vor dem Neuen Jahr kehrte meine Mutter zurück und brachte einen Topf voll Königsberger Klopse mit. Meinen Vater habe ich erst nach dem Krieg im Mai 1946 wieder gesehen. So ging das fünfte Kriegsjahr zu Ende. Es hatte große Veränderungen gebracht. Die Krieg war näher gekommen und niemand war mehr siegessicher.

PS. In der ersten Woche im Januar 1944 wurde auch ich verschickt und trat meine Reise nach Oberschlesien an. Für Berlin wurde es ein schlimmes Jahr mit Tages- und Nachtangriffen.IMG_20150203_0001

Bomben fallen auf den Bezirk Kreuzberg

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