Kirill Petrenko startet bei den Berliner Philharmonikern

https://www.dw.com/de/kirill-petrenko-startet-bei-den-berliner-philharmonikern/a-18532207

“Er ist heiß begehrt: Kirill Petrenko, der in Russland geborene Dirigent, übernimmt Simon Rattles Nachfolge bei den Berliner Philharmonikern. Mit Beethovens “Neunter” legt er los.

    
Dirigent Kirill Petrenko (Foto: Sven Hoppe/dpa via AP,file)

Vor 13 Jahren, im Frühling 2006, spazierte ich mit Kirill Petrenko durch Berlin, nach einem “Don Giovanni” an der Komischen Oper. Wir waren beide gleich alt und beide in Russland geboren. Es war spät, aber mein Gesprächspartner hatte ausreichend Zeit für ein Interview, obwohl er kurz zuvor einen fulminanten Mozartabend dirigiert hatte. Wir sprachen Russisch. “Musik ist nicht zum Spaß da”, sagte er unter anderem, “sondern dazu, dass wir ständig an uns arbeiten, auch das Tragische am Leben erkennen und dadurch womöglich bessere Menschen werden.” Die Musik sei schlussendlich die höchste Form der Menschlichkeit, so Petrenko. . . . ”

 

“Dass ein Musiker mit russisch-ukrainisch-jüdischen Wurzeln zum Nachfolger nicht nur von Simon Rattle, sondern auch von Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan wird, ist ebenso symbolisch wie historisch gerecht.”

https://www.dw.com/de/kirill-petrenko-gab-seinen-einstand-mit-den-berliner-philharmonikern/a-50151396

Autor Rick Fulker

Beethovens Neunte ganz neu

. . . . . .

Ein Blick in die Zukunft

Was kann man in der Petrenko-Ära der Berliner Philharmoniker erwarten? Matthew Hunter deutet es an: “Ich kann nicht voraussagen, wie Petrenko unseren Klang in den kommenden fünf bis zehn Jahren entwickeln wird. Aber ich würde sagen, wir kehren zu etwas zurück.”

“Rainer Seegers wird da deutlicher: “Da kommt wieder so was, was vor urlanger Zeit mit Karajan auch war. Der Klang der Berliner Philharmoniker, den es mal gab, wiederherzustellen: Ich glaube, das ist sein geheimes Ziel.”

Petrenko und sein Orchester auf der Bühne (picture-alliance/dpa/B. von Jutrczenka)Zum Schluss lässt Petrenko die Orchestergruppen aufstehen

Zum jetzigen Augenblick steht aber erstmal die frisch gebackene Partnerschaft im Vordergrund, die von einer Art Flitterwochen-Gefühl überlagert wird. Am 24. August wird das Programm wiederholt – am Brandenburger Tor vor einem Publikum von bis zu 32.000 Menschen samt Übertragung auf eine LED-Wand, ins Fernsehen und zur Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker. Um 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los.

Und wie ging die Aufführung am 23. August zu Ende? Mit nicht enden wollenden Ovationen, etlichen Vorhängen und den üblichen Ritualen: Einzelne Instrumentengruppen nahmen den Applaus entgegen, Chor, Vokalsolisten – und immer wieder erschien der Maestro, der glücklich und erlöst wirkte. Das hätte vermutlich eine gute halbe Stunde so weiter gehen können. Irgendwann standen jedoch Orchester- und Chormitglieder auf und gingen. Dann lichteten sich auch im Auditorium die Reihen etwas. Es ging aber mit dem Applaus immer noch weiter. Endlich kam dann Kirill Petrenko alleine heraus, ein letztes Mal, und verbeugte sich vor dem Rest-Publikum. So als wollte der bescheidene Maestro nochmal sagen: “Ja, ich bin es!”